Citizen Science: Forschungsarbeit im Wohnzimmer

Von: Lennard Worobic

So langsam gehen den Menschen die Ideen aus, könnte man meinen. „Wie soll ich mich zuhause während der Pandemie beschäftigen?“, fragen sich wahrscheinlich viele Bürgerinnen und Bürger, dessen Alltag momentan innerhalb der eigenen vier Wände stattfindet. Manche von Ihnen wollen vielleicht mal wieder etwas Sinnvolles tun und das Gefühl haben, damit etwas zu erreichen. Diejenigen, die das Rumhängen auf der Couch langweilt und die sich nach Aufgaben mit gesellschaftlichem Nutzen sehnen, können es in diesen Tagen mit „Citizen Science“ versuchen. Die europäische Plattform bietet Projekte an, in denen sich Interessierte unter anderem von Zuhause beteiligen können – das heißt, man kann während der Coronakrise in verschiedenen Bereichen mitforschen. Insbesondere für Studierende könnte dies eine spannende Abwechslung in der Selbstisolation darstellen. 

Von Beobachtungs-Studien für die NASA unter freiem Himmel, über Niederschlags-Messungen im heimischen Garten, bis hin zum Ausprobieren von Apps auf dem Smartphone – Citizen Science-Projekte bieten eine große Bandbreite von Forschungsprojekten, an denen sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. Gerade in der Coronazeit profitiert die Plattform von der Digitalisierung, da viele Projekte auf einer digitalen Datenübermittlung basieren. Somit ist es möglich, immer mehr Menschen an der Wissenschaft teilhaben zu lassen und diese dadurch zu demokratisieren. Alles was man braucht, ist ein PC, oder in manchen Fällen ein Smartphone, mit einer funktionierenden Internetverbindung – und schon kann es losgehen! Um euch einen Einblick in die Citizen Science-Plattform zu geben, stellen wir im Folgenden drei Projekte aus den Bereichen Technik, Nachhaltigkeit/Landnutzung und Medien vor. 

„Helfen Sie mit, die Geheimnisse des Universums aufzudecken!“

Für Technikliebhaber könnte das Projekt „Radio Galaxy Zoo: LOFAR“ interessant sein. Das Forschungsteam untersucht supermassive Schwarze Löcher mithilfe von Radiowellen und braucht Hilfe bei der Optimierung des automatischen Computersystems, welches es für ihre Untersuchungen verwendet. Da dieses teilweise noch fehlerhaft agiert und einzelne Radioquellen in separate Komponenten aufteilt, gilt es die getrennten Signale wieder zusammenzufügen. Am Anfang hilft ein Training-Workflow sowie ein Videotutorium beim Einstieg in die Forschungsarbeit. Weitere Informationen zum Projekt findet ihr hier.

Umweltschutz per App

„Leiste einen kleinen, aber entscheidenden Beitrag zur Lösung globaler Umweltprobleme, indem du Bildaufnahmen online sortierst.“ Mit der App „Picture Pile“, die für iOS- sowie Android-Geräte verfügbar ist, kann jede und jeder ganz einfach und von überall etwas für den Klimaschutz tun. Indem Nutzende der Anwendung Bilder (z.B. Satelliten- oder Luftaufnahmen) von Landschaftsabschnitten hinsichtlich ihres Zustandes sortieren, kann die Forschungsgruppe die verschiedenen Regionen einordnen und wichtige Daten erheben. Hier geht es zur Anwendung.  

Onlinelabor für Digitale Kulturelle Bildung

Auch regional kann man sich bei Citizen Science engagieren: Ein Forschungsteam der CAU Kiel hat ein Onlinelabor entwickelt, um Usern den Austausch von Erfahrungen mit sozialen Netzwerken zu ermöglichen. Text-, Bild- und Videobeiträge werden mit anderen Medien-Begeisterten geteilt. „Zeig‘ deine Welt. Entdecke Vielfalt. Gestalte digitale Kultur.“, lauten die Aufrufe auf der Projektseite.

Mithelfen in der Coronakrise

Eine weitere tolle Aktion aus Kiel nennt sich #kielnähtzusammen, bei der Professor Dr. Peter Franke vom Fachbereich Wirtschaft der FH Kiel gemeinsam mit Studierenden gegen den Mangel an Mund- und Nasenschutzmasken in der Coronakrise vorgehen will. Eine gute Sache – denn in der aktuellen Situation wird in vielen Bereichen mehr Hilfe denn je benötigt. „Wir sind vielleicht zur Isolation verdammt - aber nicht zur Untätigkeit. Jeder und jede von Ihnen kann jetzt helfen“, sagte Frank-Walter Steinmeier letzte Woche in einer Videobotschaft an die Bevölkerung. Der Bundespräsident erkennt ebenfalls die Möglichkeiten, welche sich nun online bieten: „Wir können die vielen Plattformen und Ideen nutzen, die jetzt im Internet entstehen.“ 

Für Projekte mit Corona-Bezug hat Citizen Science eine separate Seite eingerichtet. Die Forschungsarbeiten sind überwiegend darauf fokussiert, die Ausbreitung des Coronavirus mithilfe digitaler Tools, wie zum Beispiel dem Virus-Simulator „Corona-Land“, zu reduzieren. In der Anwendung wird der Verlauf der Pandemie visuell dargestellt, um Optionen für eine mögliche Eindämmung zu analysieren. 

Es gibt also viele Möglichkeiten, sich einzubringen und auch in dieser schweren Zeit, etwas zur Wissenschaft oder dem Gemeinwohl beizutragen. Neben den genannten Projekten gibt es natürlich unzählige andere Aktionen und Forschungsarbeiten, die man unterstützen kann. Auf der Citizen Science-Plattform www.buergerschaffenwissen.de findet ihr weitere Anreize für ein wissenschaftliches Engagement in der Krisenzeit.

© Fachhochschule Kiel