#YouNeverWalkAlone: Kleine Gesten gegen den Corona-Frust

Von: Lena Kuhn

Dozentin Susanne van Engelen initiierte in zwei Semestern des Studiengangs Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation eine Aktion, bei der sich Studierende gegenseitig die Stimmung aufhellen können. Wie das funktioniert und wie man es nachmachen kann, erklären sie und ihre Koordinatorinnen im Gespräch.

Frau van Engelen, Sie haben im zweiten und vierten Semester des Studiengangs Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation ein kleines Projekt ins Leben gerufen, dass Studis in Zeiten von Corona unterstützen soll. Was genau ist das Vorhaben?

Ich hatte auf meine Nachfrage einige Rückmeldungen von Studierenden, die jetzt durch den Wegfall von Minijobs in Gastronomie und anderswo finanziell sehr gebeutelt sind. Diese wollte ich moralisch unterstützen.

Da ich selber mal in einer ähnlichen Notlage Hilfe in Form von kleinen, aber sehr hilfreichen Care-Paketen von Freunden bekommen habe, stellte ich meinen Studierenden folgende Idee in den Raum:

Wie wäre es, eine #youneverwalkalone-Carepaket-Aktion für betroffene Kommiliton*innen zu starten – etwa mit Lesestoff, Schokolade, Nudelsoße, Naschis…? Um ein Päckchen zu finanzieren, könnten sich auch gern mehrere Studierende zusammentun. Die Koordination und Vermittlung von Spender*innen und Empfänger*innen würde aus Datenschutzgründen von Studierenden übernommen werden. Und natürlich bräuchte es einige Studis, die noch keine zündende Idee für die kleinen Kartons haben, die irgendwo in der Ecke hinterm WG-Küchenschrank liegen - und die spenden wollen.

Für mich ist diese Aktion eine schöne Geste des Zusammenhalts und ich unterstütze sie gerne, wo es möglich ist. Gerade in so schrägen Zeiten wie heute könnte diese Aktion allen Beteiligten sehr guttun.

Insgesamt habe ich das mit den beiden Koordinatorinnen jetzt etwas umgestrickt, da sich verständlicherweise nicht so viele Betroffene vor ihren Kommiliton*innen outen wollten, wie mir persönlich geschrieben hatten, als ich fragte, ob es im Studiengang Betroffene gibt. Jetzt gilt: Wer mitmachen möchte, kann sich melden. Die Koordinatorinnen bilden dann „Pärchen“, die sich etwas Aufmunterndes schicken können. Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn auch der eine oder die andere Dozent*in mitmachen würde.

Was wäre Ihr liebstes Ergebnis dieser Idee?

Dass sie „Beine“ kriegt und möglichst viele Menschen sich bewegt fühlen, ähnliche Dinge einfach auszuprobieren und umzusetzen.

Wer kann sich an der Aktion beteiligen und wie ist die Beteiligung möglich?

Zwei Studentinnen haben sich bereit erklärt, die Interessierten zu koordinieren. Eigentlich kann aber jede*r einfach damit anfangen. Je dezentraler das organisiert ist, desto weniger Aufwand ist es für die Beteiligten.

Die Aktion trägt den Hashtag #youneverwalkalone - was bedeutet das?

Ich finde den Begriff „Social Distancing“ tatsächlich etwas unglücklich - wenngleich er natürlich tut, was er tun soll - dass die Menschen sich nicht näher als 1,5 bis 2 Meter „auf die Pelle rücken“, um eine Ansteckung möglichst zu vermeiden. Ich habe aber Freunde, die unter der sozialen Isolation sehr leiden. Ich wollte daher der kleinen Hilfsaktion einen Namen geben, der sofort deutlich macht, dass man trotz der Distanz eben nicht allein ist, sondern dass es Menschen gibt, die an einen denken.

Außerdem ist es ein aktuell auf Instagram ein recht weit verbreiteter Hashtag. Man könnte ihn gut nutzen, um andere Menschen auf die Idee aufmerksam zu machen und zum Nachmachen zu bewegen.

Und wie kommt die Aktion bei den Studis an? Das wissen die beiden Koordinatorinnen Jana Pohnke (2. Semester) und Malin Lauffer (4. Semester).

Jana, Malin, wie habt ihr von der Aktion erfahren und wie kam es zu eurer Beteiligung daran?

Jana: Über das Forum Moodle hatte Frau van Engelen das Thema angesprochen. Ich fand die Idee gut. Ich denke nicht, dass es dabei nicht unbedingt nur darum geht, jemanden mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen, sondern eher um eine kleine Erheiterung. Also fragte ich, wie das dann organisiert werden soll. Daraufhin hat Frau van Engelen vorgeschlagen, dass eine*r von uns die Kontaktdaten sammelt und Paare zusammenwürfelt. Dafür habe ich mich dann bereit erklärt, weil ich es schön fände, wenn die Aktion ins Rollen kommt.

Malin: Ich habe durch eine E-Mail von Frau van Engelen von der Aktion erfahren und fand sie von Anfang an super. Da sie die Aktion leider selbst nicht durchführen kann, bin ich sehr gerne „eingesprungen“ und habe mich um die Organisation gekümmert.

Wie ist die Resonanz eurer Komiliton*innen bisher?

Jana: Von den angesprochenen 60 Personen in meinem Semester haben sich acht bisher bei mir gemeldet. Es haben sich nur Spender*innen gemeldet, keine Empfänger*innen. Deswegen wurde die Idee ein bisschen umgeändert: Jetzt schickt sich ein Paar aus zwei Personen gegenseitig kleine „Moralheber“. Eine Kommilitonin schlug noch eine Betragsgrenze von 10€ vor, damit keine Ungleichheiten entstehen. Ich warte noch bis Ende der Woche, ob sich noch etwas entwickelt. Bisher nehmen auch nur weibliche Kommilitoninnen teil, mal sehen, ob die Männer noch in die Hufe kommen. Insgesamt war die Resonanz sehr positiv.

Malin: Die Resonanz war bei uns auch durchaus positiv, mir haben direkt mehrere Personen geschrieben, sowohl Kommilitonen als auch Kommilitoninnen. Ich habe die Liste gerade nicht vor mir, aber bei mir haben sich ca. 15 Personen gemeldet.

Was soll denn in den Paketen so drin sein, gibt es Vorgaben außer der 10€-Grenze?

Jana: Es gab keine Vorgaben. Frau van Engelen schlug beispielsweise Naschen, Lesestoff oder Nudelsoße vor. Mit meinen Kommiliton*innen habe ich beschnackt, dass wir Sachen reinpacken, die man sich nicht unbedingt kauft, wenn man aufs Geld achten muss – das teure Naschen oder Markenchips. Einfach eine kleine Beschäftigung und Nervennahrung.

Malin: Es geht darum, seinen Mitmenschen (in diesem Fall kKommiliton*innen) eine Freude zu bereiten. Diese kann ganz unterschiedlich ausfallen, von Süßigkeiten, über Uniutensilien, bis hin zu ein paar netten Worten. Es sind keine Grenzen gesetzt. Ich würde sagen, man sollte in das Päckchen Dinge packen, über die man sich selbst auch freuen würde.

Dürfen sich die Partner vorher austauschen, um vielleicht Unverträglichkeiten oder so zu klären, oder weiß wirklich nur die Koordination, wer die Partner*in jeweils ist?

Jana: Ich stelle den Kontakt zwischen den beiden Partner*innen her. Dann tauschen sich die beiden Personen aus. Man bespricht, worüber man sich freuen würde, was man nicht mag, und wo vielleicht auch Unverträglichkeiten bestehen. Einige bei mir möchten anonym bleiben, dann geht die Verständigung wahrscheinlich über mich.

Malin: Ich fände es sinnvoll, sich vorher zumindest kurz auszutauschen, damit man den anderen nicht mit Vollmilchschoki beschenkt, und er am Ende eine Laktoseintoleranz hat. Sollte jemand tatsächlich einen Mangel an einem bestimmten Produkt haben, so darf er einen direkten Wunsch natürlich auch äußern. Schließlich soll ja jeder etwas von den Päckchen haben.

Können sich auch Menschen außerhalb eures Studienganges an der Aktion beteiligen?

Jana: Momentan läuft es nur in jeweils unseren Semestern. Anfangs schlug Frau van Engelen noch vor, dass sich Dozent*innen an Empfänger-Paketen beteiligen, aber ich nehme an, in diesem Austausch werden sie vermutlich nicht berücksichtigt. Prinzipiell wäre es schön, wenn diese Aktion viel Aufmerksamkeit bekäme. Dann könnte man pro Semester oder Studiengang eine Sammelstelle einrichten, weil es sonst schnell sehr unübersichtlich werden könnte.

Malin: Zurzeit läuft die Aktion nur innerhalb unseres Kurses ab. Ich halte es aber durchaus für möglich, sollte die Resonanz weiterhin so positiv sein und mehr Personen und Kurse von der Aktion Wind bekommen, dass wir die Aktion Fachbereichsweit weit durchführen, vielleicht sogar FH-weit. Egal ob Krise oder nicht, jeder freut sich mal über eine kleine Aufmerksamkeit. Ich persönlich glaube, man könnte das Ganze als eine regelmäßige (einmal im Semester) Aktion umsetzen.

© Fachhochschule Kiel