Bunkerwoche crossmedial

Unsere Medienstudierende können nicht „nur“ Filme machen, sie denken crossmedial. Henrike Schütze, Sarah Heise und Laura Duday haben darum Ihrem Film über die dreizehnte Bunkerwoche noch eine wunderschöne Fotopräsentation und einen lesenswerten Text beigepackt.

Graue Schale, bunter Kern

Die Bunkerwoche: Wenn Stahlbeton auf Kultur trifft

Wir frösteln ein wenig, als wir an diesem Abend vor dem Bunker D stehen. Sicher - es ist ein kalter Oktoberabend. Aber  dieser mehrstöckige Betonklotz, der da vor uns in die Höhe ragt, trägt sicher seinen Teil dazu bei. Durch die hohen, nachträglich eingebauten Fenster dringt Licht nach draußen, die Fassade wird angestrahlt. Doch trotz aller Modernität, trotz imposanter Beleuchtung, trotz liebevoller Einrichtung schreit uns der Bunker förmlich seine Geschichte entgegen. Schnell schütteln wir unsere Gedanken ab und schlüpfen durch die schwere Eisentür im Eingang. Wir sind spät dran, die Eröffnung der Bunkerwoche hat bereits angefangen und gleich beginnt die Vernissage.

„UnerwARTet“
Die Ausstellung ist das Herzstück der dreizehnten Bunkerwoche – wie in jedem Jahr. „UnerwArtet“ ist eine Gemeinschaftsausstellung der Hobbyfotografen Teja Schwaner und Hartmut Piekatz. Doch dieses Mal geht es nicht nur um’s Visuelle: Uns erwartet eine „interdisziplinäre Installation“. So wird die auf den Fotografien eingefangene Stimmung durch Musik und Klangelemente von Musiker und Komponist Richard Wester eindrucksvoll hervorgehoben. Die Gegensätzlichkeit der beiden Fotografen fällt sofort ins Auge und fasziniert nicht nur uns. „Schwaner als Journalist hat irgendwann angefangen, das geschriebene Wort in Bild umzusetzen - großartig“, schwärmt Wester „und Piekatz hat einfach einen Blick für wesentliche Dinge, der mich schon immer fasziniert hat.“

"UnerwARTet" - Ausstellung von Teja Schwaner und Hartmut Piekatz

Der Musiker kennt die beiden schon länger und hat sie genau wegen dieser Gegensätzlichkeit ausgewählt. Auch die Auswahl der Bilder stellte er zusammen und komponierte dafür eine eigene Klanginstallation. „Diese Dramaturgie vom rechten auf den linken Raum mit der Musik als Verbindungsglied – dadurch funktioniert das erst, dadurch wirkt das“, erklärt er. Und wie es wirkt – gerade in dieser einmaligen Kulisse. Verblasste Schriftzüge an den Wänden, verrostete Gitter neben den Türen und bröckeliger Stahlbeton: Während wir die Bilder betrachten, werden wir immer wieder auf subtile Weise mit der Geschichte dieses Landes konfrontiert. Eine einzigartige Atmosphäre – und wahrhaft „UnerwARTet“.

Die dreizehnte Bunkerwoche
Studenten, Musikliebhaber und Kulturinteressierte kamen in der Bunkerwoche jeden Tag auf ihre Kosten: Auch dieses Mal gab es wieder ein buntes Kulturprogramm. Das traditionelle Bunker-Quiz in der Bar erfreute sich großer Beliebtheit. Auch eine besondere Tradition wurde weiter verfolgt: Der Jazz-Brunch am Samstagmorgen im Bunker-Café. Neben heißem Kaffee und einem leckeren Buffet sorgte Live-Musik für einen ganz besonderen Start in den Tag. Ein echtes Highlight waren die Konzerte von Nebraska Fightclub und Saintcatee am Dienstagabend. Rock und Crossover gemischt mit viel Beton und gut gelaunten, wenn auch wenigen, Zuschauern – hier traf intime Atmosphäre auf geballte Power.

Saintcatee

Das Beste kommt zum Schluss: Das Abschlusskonzert
Als wir eintreffen ist das Mehrzweckgebäude schon gut gefüllt. Das Konzert "Piano meets Vibes meets Wester" soll nochmals eine Synergie zwischen der Musik und der Ausstellung herstellen – und natürlich für einen fulminanten Abschluss der Bunkerwoche sorgen.

Im Getümmel treffen wir auf Klaus-Michael Heinze, Kanzler der Fachhochschule, der noch schnell die letzten Vorbereitungen für das Bunker-Benefiz-Konzert trifft. Wir wollen wissen, warum er mit so viel Leidenschaft bei der Sache ist. Er erzählt uns, dass der Bunker vor knapp acht Jahren noch vernagelt, verdreckt und teilweise nicht einmal begehbar war. Aus der Vision, aus dem ungenutzten Raum einen Ort für Studenten zu schaffen, entstand durch viel Engagement und Herzblut nach und nach der Bunker, wie wir ihn heute kennen. Auch die Bunkerwoche mit ihrem liebevoll gestalteten Kulturprogramm war nicht immer so, wie sie heute ist: Vor allem die Anzahl der Programmpunkte habe sich geändert, erzählt uns Heinze. In den ersten Bunkerwochen gab es nicht einen Ruhetag und täglich bis zu vier Veranstaltungen. So musste man die eine Woche Schlafentzug einfach in Kauf nehmen, erinnert er sich und lacht. Sein persönliches Highlight sind aber jedes Mal die Ausstellungen: „Die Menschen, die ihr Herz für den Bunker und die Kunst öffnen, die kommen auch wieder. Denn Kultur entspringt für mich aus einem Gefühl heraus – und hier braucht es nicht mal eine Stunde und dann brennt das Herz.“

Plötzlich nehmen die Leute um uns herum ihre Plätze ein. Jetzt aber leise, es geht los. Die drei Musiker stehen bereits auf der kleinen Bühne in der Mitte des Raumes. Um sie herum sind kreisförmig die Stühle angeordnet, kaum einer ist frei geblieben. Schnell setzen wir uns hin und lassen uns kurz darauf von Saxophonklängen, begleitet von Klavier, Xylophon und Schlagzeug, in den Bann der Musik ziehen.